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Grundlagen und Anforderungen

Gesetzliche Grundlagen

Die Luftdichtheit der Gebäudehülle war bereits in §4 der Wärmeschutzverordnung von 1995 (WSVO ́95) verankert. Heute ist sie in der sogenannten „Energieeinsparverordnung“ EnEV und in DIN 4108–7 „Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden – Teil 7 Luftdichtheit von Gebäuden“ definiert. Auch der seit Juli 2008 vorgeschriebene Energieausweis bewertet Energieverluste über die Gebäudehülle und schafft eine einheitliche, transparente Bewertungsgrundlage für die Energieeffzienz von Gebäuden.

Mit den zunehmenden Anforderungen an den baulichen Wärme- und Feuchteschutz sowie dem gestiegenen Anspruch an die Behaglichkeit hat die Luftdichtheit der Gebäudehülle einen völlig neuen Stellenwert erhalten.

Zur Erfüllung der Kennwerte der Energieeinsparverordnung (EnEV) bei Neubauten und Sanierungen werden besondere Anforderungen an die Planung und Errichtung elektrischer Anlagen gestellt, die eine dauerhafte Luftdichtheit der Gebäudehülle sicher stellen. Seit dem in Kraft treten der EnEV 2009 musste die Gebäudehülle durchschnittlich 15 Prozent mehr leisten als nach der EnEV 2007 und weitere Steigerungen in zu erwartenden Novellierungen der EnEV sind vorgesehen. Die EnEV 2009 legte erstmalig nun auch Nachrüstpflichten oberster nicht begehbarer Geschossdecken in Bezug auf die Qualität der Wärmedämmung in Altbauten fest und machte die Dämmung begehbarer Geschossdecken bis spätestens 2011 zur Pflicht. In der EnEV 2013 ist diese Forderung nun noch detaillierter enthalten.

Bei Neubauten und Sanierungen sind Anforderungen aus dem bundesweit seit 01.01.2009 geltenden Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zu berücksichtigen. Für das Land Baden-Württemberg gilt zudem die seit dem 29.12.2009 geltende Erneuerbare-Wärme-Verordnung (EWärmeVO), welche je nach Anwendungsfall die dabei einzuhaltenden Kennwerte einzelner Gebäudebauteile nochmals verschärft.

Luftdichtheit und Winddichtheit

Die Luftdichtheit betrachtet die Eigenschaften eines Gebäudes hinsichtlich der Durchströmung durch die Gebäudehülle; die Winddichtheit betrachtet die Durchströmung der Dämmung durch den Wind. Die Luftdichtheit eines Gebäudes wird über die Luftwechselrate, den sogenannten n50-Wert, definiert. Sie kann messtechnisch durch das Differenzdruckverfahren, die „Blower-Door-Methode“ nach DIN EN 13829, überprüft werden und beschreibt, wie häufig die Luft des Gebäudes innerhalb einer Stunde ausgetauscht wird (siehe „Blower-Door-Methode“).

Aktuelle Anforderungen

Die Luftdichtheit orientiert sich an den Vorgaben der EnEV 2009 bzw. EnEV 2013:

§ 6 Dichtheit, Mindestluftwechsel

(1) Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die Wärme übertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist. …

(2) Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass der zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche Mindestluftwechsel sichergestellt ist.

Die EnEV stellt energetische Forderungen an die Dichtheit des gesamten Gebäudes. Die tolerierte, verbleibende Luftdurchlässigkeit bei einer Druckdifferenz von 50 Pa (n50-Wert) darf bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlagen das Dreifache des Gebäudevolumens pro Stunde betragen, für Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen gilt hierfür nur das Eineinhalbfache des Gebäudevolumens. Für die Luftdichtheit von Gebäuden gilt ferner DIN 4108–7 „Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden – Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie Beispiele“. Diese Norm stellt Anforderungen an das luftdichte Bauen.

Grundsätzlich müssen daher neben anderen auch die bauphysikalischen Anforderungen an die Luftdichtheit bei Planung, Ausschreibung und Ausführung des Gebäudes berücksichtigt werden.

Auch die Planungsnormen der Reihe DIN 18015–2 für elektrische Anlagen in Wohngebäuden enthalten hierzu Informationen:

Luftdichte Elektroinstallation

Eine luftdichte Gebäudehülle (wie z. B. in der EnEV beschrieben) darf durch die Elektroinstallationen nicht unzulässig beeinträchtigt werden. Aus diesem Grund werden bei Elektroinstallationen an der Gebäudehülle (Innen- und Außenseite) luftdichte Geräte- und Verteilerdosen eingesetzt. Erforderliche Leerrohrverbindungen vom Rauminneren nach außen (z. B. für den Anschluss von außen liegenden Rollläden, Jalousien etc.) sind dabei nach Installationsabschluss luftdicht zu schließen.

Bei Durchdringung folienartiger luftdichter Schichten (z. B. auch Dampfsperren) sind die Durchdringungsöffnungen mit geeigneten Maßnahmen abzudichten.

Installation an oder in gedämmten Außenfassaden

Elektroinstallationen an oder in gedämmten Außenfassaden sind derart auszuführen, dass die Dämmwirkung nicht unzulässig beeinträchtigt wird. Dies wird durch den Einsatz dafür geeigneter Gerätedosen und Geräteträger erreicht.

Auswirkungen der Luftdichtheitsanforderungen auf die Bauausführung

Die Bauverantwortlichen haften für die Einhaltung der nach EnEV geforderten Luftdichtheit des Gebäudes. Ferner haften sie bei Auftreten von bauphysikalischen Schäden, die durch Schwitzwasserbildung aufgrund von Leckagen in der Gebäudehülle entstehenden – und das für 30 Jahre. Vor diesem Hintergrund tun Planer und ausführende Handwerksunternehmen gut daran, auch im Detail jedes Risiko einer mangelhaften Bauausführung auszuschließen. Für die Elektroinstallation im Neubau sowie im Bestand stehen ausgereifte, auf Leichtbauweise und Mauerwerkskonstruktionen zugeschnittene Systemlösungen zur Verfügung. Hiermit lassen sich Leckagen in der luftdichten Schicht durch Installationsdosen, durch Leitungs- bzw. Rohrdurchführungen oder auch bei der Installation von Leuchten und Lautsprechern dauerhaft ausschließen.

Nach den „Allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen“ (VOB/B) in Verbindung mit den „Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV)“ VOB/C ist für die jeweiligen Gewerke geregelt, dass luftdichte Anschlüsse als besondere Leistungen auszuschreiben, abzurechnen und gesondert zu vergüten sind.

Wohnungslüftung mit bzw. ohne Wärmerückgewinnung2

Gebäude nach Niedrigenergie-Standard verfügen in der Regel über eine hohe Luftdichtheit. Zur Vermeidung von Schwitzwasser, Schimmelbildung usw. werden für diese Gebäude Raumlüftungsanlagen mit bzw. ohne Wärmerückgewinnung erforderlich. Für den elektrischen Anschluss und die regeltechnischen Einrichtungen sind die entsprechenden Leitungsanlagen und Anschlussstellen vorzusehen.

2Nähere Informationen zur Wohnungslüftung sind der Broschüre HEA-Fachinformation „Wohnungslüftung – Teil 1 Grundlagen“ zu entnehmen.

Bauphysikalische Grundlagen

Wer kennt es nicht, wenn es durch Fenster, Türen oder gar durch Steckdosen zieht? Warum ist das Vermeiden solch unangenehmer Zugerscheinungen heute so wichtig, wenn sich doch früher niemand daran störte? Das liegt daran, dass aufgrund des erhöhten Umweltbewusstseins, des steigenden Energiebedarfs und der höheren Energiekosten wesentlich dichter gebaut wird als noch vor vielen Jahren. Dadurch wird der Energiebedarf, der beispielsweise für das Heizen aufgewendet werden muss, deutlich minimiert.

Wärmebrücke

Eine Wärmebrücke ist eine Fläche oder ein Bauteil des Gebäudes, die bzw. das bauartbedingt oder aufgrund baulicher Mängel in der Planung oder Ausführung mehr Wärme nach außen ableitet als benachbarte Flächen oder Bauteile.

In diesem Zusammenhang spricht man von der sogenannten Luftdichtheit und der Winddichtheit eines Gebäudes.

Die Luftdichtheit und Winddichtheit haben wesentlichen Einfluss auf den Jahresprimärenergiebedarf eines Gebäudes, der in seinem Energieausweis angegeben ist. Bestehen Undichtheiten in der Gebäudehülle oder kommt es aufgrund fehlerhafter Bauplanung oder – ausführung zu Wärmebrücken, so führt das zu erhöhten Wärmeverlusten und ggf. zu Bauschäden. Die Wärmeverluste müssen durch das Heizsystem des Gebäudes ausgeglichen werden. Dafür muss dann mehr Heizenergie aufgewendet werden als bei dichter und baulich korrekter Gebäudehülle.

Nur durch Sicherstellung der Luftdichtheit und durch Vermeidung von Wärmebrücken sind die errechneten Dämmwerte für die Wärmedämmung des Gebäudes ausreichend. In der Praxis treten jedoch häufig unerwünschte Wärmeverluste auf, z.B. Lüftungswärmeverluste und Zugerscheinungen.

Wärmebrücke, © ELEKTRO+

Luftdichte Schicht, winddichte Schicht

Die luftdichte Schicht verhindert die Luftströmung in schwitzwassergefährdete Bereiche im Bauteilinneren. Im Allgemeinen ist die Luftdichtheitsschicht auf der Raumseite der Dämmebene angeordnet. Die winddichte Schicht auf der Außenseite (Kaltseite) verhindert die Lufteinströmung in Dämmstoffe, damit eine Verminderung der Dämmeigenschaft nicht erfolgt.

Nur wenn die luftdichte und die winddichte Schicht intakt sind, können die geplanten Energiewerte eingehalten werden und Bauschäden vermieden werden. Ausgelöst werden können Leckagen in der luftdichten Schicht oder an der gedämmten Außenfassade durch Elektroinstallationen, die in Wände oder Decken eingebaut sind und die luftdichte Schicht durchdringen.

Im Bereich einer Wärmebrücke wird die Wärme schneller nach außen transportiert. Dadurch entsteht ein höherer Heizwärmebedarf. Daneben kann es aufgrund des raumseitigen Absinkens der Oberflächentemperatur zur Bildung von Kondenswasser und Schimmel kommen.

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