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31. Juli 2025

Mindestausstattung in der Elektroinstallation – darum ist sie bei Hausbau und Modernisierung so wichtig

Fragen und Antworten zur Elektroausstattung nach Norm.

Beim Wohnungsbau stehen Tempo und Kosteneffizienz im Fokus – verständlich angesichts des großen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum. Doch aus dem berechtigten Ziel, schneller und günstiger zu bauen, darf nicht folgen, dass auf bewährte Mindeststandards verzichtet wird. Besonders bei der elektrischen Grundausstattung, die durch die DIN-Norm 18015–2 definiert wird, kann falsches Sparen teuer werden: Was heute nicht umgesetzt oder wenigstens durch eine vorausschauende Planung vorbereitet wird, fehlt später – sowohl bei der Sicherheit als auch im Blick auf die Zukunftsfähigkeit unserer Gebäude.

Der ZVEH und die Initiative Elektro+ geben Antworten auf einige Fragen zu Standards und Ausstattung der Elektroinstallation und erläutern, warum es sich nicht lohnt, an der kritischen Infrastruktur im Haus zu sparen.

Bei Neubau und Sanierung an der Elektroinstallation sparen – wie sinnvoll ist das?

Andreas Habermehl, ZVEH: Die Festlegung einheitlicher Ausstattungswerte für die Elektroinstallation in Häusern und Wohnungen schafft Transparenz und Planungssicherheit für alle am Bau Beteiligten. Die Mindestausstattung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden ist in der Planungsnorm DIN 18015–2 beschrieben. Dabei handelt es sich um Empfehlungen, die erst dann verbindlich werden, wenn sie als Ausstattungsstandard zwischen Bauherren und Installationsunternehmen vertraglich vereinbart sind.

Welche Ausstattungsstufen gibt es?

Johannes Hauck, ELEKTRO+: In Anlehnung an die DIN 18015–2 haben Experten die Richtlinie RAL RG–678 entwickelt, die drei Ausstattungsstufen definiert: 1-Stern entspricht der Mindestausstattung gemäß DIN 18015–2, 2-Sterne sind die Standardausstattung und 3-Sterne gelten als Komfortausstattung. Die jeweils angegebene Anzahl von Schaltern, Steckdosen und Stromkreisen ist das Ergebnis langjähriger Erfahrungen aus der Praxis und technischer Expertise. Sie sichert Qualität und Vergleichbarkeit beim Mieten, Kaufen, Bauen und Modernisieren.

Warum ist eine normgerechte Elektroinstallation wichtig?

Johannes Hauck, ELEKTRO+: Eine Elektroinstallation nach DIN 18015–2 gewährleistet zeitgemäße Sicherheitsstandards und Wohnkomfort. Darüber hinaus hilft sie, Missverständnisse zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer zu vermeiden und bietet als Grundlage für vertragliche Vereinbarungen und die Baubeschreibung Rechtssicherheit für alle Beteiligten.

Wie trägt eine genormte Elektroinstallation zur Sicherheit bei?

Andreas Habermehl, ZVEH: Eine genormte Mindestausstattung der Elektroinstallation minimiert das Risiko von Kurzschlüssen, Stromunfällen und Bränden. So empfiehlt die DIN 18015–2 beispielsweise eine Platzreserve von 20 Prozent im Hausverteiler, um Überhitzungen im Verteiler und damit Brandgefahr zu vermeiden. Außerdem verhindert sie eine zu schnelle Alterung von Leitungen und anderen Bauteilen und sichert so die zuverlässige Funktion der Anlage. Ein weiteres Beispiel: Die Norm fordert auch eine ausreichende Anzahl von Fehlerstromschutzschaltern (RCDs) und gleichzeitig eine Begrenzung der Anzahl der Stromkreise pro Schalter. Damit wird verhindert, dass ein auftretender Fehler die gesamte Anlage abschaltet, was die Sicherheit in Haus und Wohnung erhöht. Pro Fehlerstromschutzschalter sollten daher maximal sechs Stromkreise angeschlossen werden.

Welche Vorteile hat eine ausreichende Elektroinstallation für den Wohnkomfort?

Johannes Hauck, ELEKTRO+: Die Mindestausstattung stellt sicher, dass genügend Steckdosen und Stromkreise vorhanden sind, damit moderne Haushaltsgeräte problemlos betrieben werden können, ohne die Elektroinstallation zu überlasten. Eine zu geringe Ausstattung führt dazu, dass die Bewohner auf Mehrfachsteckdosen zurückgreifen, die zur Brandgefahr werden können. Bei der Vielzahl von Elektrogeräten, die heute im Haushalt verwendet werden, ist es jedoch ratsam, besser eine höhere Ausstattungsstufe als die Mindestausstattung zu wählen – wir empfehlen eine Standardausstattung, das entspricht der 2-Sterne-Installation.

Wie unterstützt eine gute Elektroinstallation die Energiewende?

Andreas Habermehl, ZVEH: Keine Energiewende ohne zukunftsfähige elektrische Infrastruktur! Die nach DIN 18015–2 geforderte Platzreserve im Verteiler erleichtert zukünftige Anpassungen, Erweiterungen und Umnutzungen. Die Mehrkosten für den größeren Verteiler sind eher gering im Vergleich zu einer kompletten Neuerrichtung, die aufgrund von Platzmangel bei einer Anlagenerweiterung notwendig werden könnte. Ausreichende Stromkreiskapazitäten ermöglichen zudem Erweiterungen für den Einsatz von Energiewendetechnologien wie PVAnlagen, Stromspeichern, Wärmepumpen oder Ladestationen für Elektroautos. Die Planungsnorm DIN 18015–2 und die RAL-RG 678 geben hier eine verlässliche Orientierung.

Eine Elektroinfrastruktur, die von der Kapazität her flexibel ist für zukünftige Veränderungen, sorgt auch für Nachhaltigkeit beim Bauen und Wohnen. Eine zu sparsame Ausstattung kann spätere Umbauten erforderlich machen, die mit höheren Kosten und erheblichem Aufwand verbunden sind und in keinem Verhältnis zu den geringen Mehrkosten für die Flexibilität stehen.

Welchen Einfluss hat die Elektroinstallation auf den Wert einer Immobilie?

Johannes Hauck, ELEKTRO+: Eine gut geplante und normgerechte Elektroinstallation erhöht den Wert einer Immobilie, da Käufer und Mieter eine moderne technische Infrastruktur bevorzugen. Sparinstallationen können schnell teure Nachrüstungen erforderlich machen, um aktuellen Standards und zeitgemäßen Anforderungen gerecht zu werden.

Macht eine Sparversion der Elektroinstallation die Wohnungen günstiger?

Andreas Habermehl, ZVEH: Die Reduzierung von Steckdosen und Zuleitungen kann zwar beim Bau einer Wohnung Kosten sparen, führt aber langfristig zu Komforteinbußen und birgt möglicherweise Sicherheitsrisiken. Bei späteren Umbauten können hohe Mehrkosten entstehen. Ein Beispiel: Die Elektroinstallation einer Dreizimmerwohnung in einem Mehrfamilienhaus (Bad, Küche, Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Wohnzimmer) kostet mit der Mindestausstattung nach DIN 18015–2 ohne zentralen Zählerschrank rund 3.800 Euro. Wird die Anzahl der Steckdosen halbiert, können circa 800 Euro eingespart werden. Eine Reduzierung der Zuleitung und ein kleinerer Stromkreisverteiler sparen weitere 150 Euro. Damit ist die Dreizimmerwohnung in der Sparvariante rund 950 Euro günstiger als in der Mindestausstattung, allerdings verbunden mit Komforteinbußen und Sicherheitsrisiken, zum Beispiel durch die sehr wahrscheinliche Verwendung von Mehrfachsteckdosenleisten. Steht dann später doch eine Nachrüstung an, entstehen erhebliche Mehrkosten. Der Wert der Wohnung sinkt.

Johannes Hauck, ELEKTRO+: Zu beachten ist auch, dass die in der DIN 18015–2 beschriebene Mindestausstattung keinen besonderen Komfort bietet. In der RAL-RG 687 wird die in der DIN 18015–2 beschriebene Mindestausstattung als 1-Stern-Ausstattung bezeichnet. Für zukunftssicheres, nachhaltiges Bauen werden höhere Ausstattungswerte empfohlen. Die 1- bis 3-Sterne-Ausstattungen sind in der Praxis erprobte Richtwerte und ermöglichen jedem, nach seinem individuellen Budget zu planen.

Für Rückfragen stehen Ihnen der ZVEH und die Initiative ELEKTRO+ zur Verfügung.

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