28. Juli 2026
PV-Anlage, Batteriespeicher und Wallbox intelligent verknüpfen: So wird das Eigenheim zum Energiesystem
Initiative ELEKTRO+ erklärt, wie aus einzelnen Technologien ein smartes Energiesystem entsteht – und was Zahlen einer aktuellen Fraunhofer-ISI-Studie besagen
Viele Eigenheimbesitzer erzeugen bereits Solarstrom, heizen elektrisch oder fahren mit einem Elektroauto. Doch die meisten dieser Technologien laufen noch nebeneinanderher, jede für sich, ohne Abstimmung. …entsteht ein Energiesystem, das den selbst erzeugten Solarstrom gezielt einsetzen kann. Wie viel Energie und Geld Haushalte tatsächlich einsparen können, hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag des ZVEI untersucht ¹. Für ein typisches Einfamilienhaus mit rund 132 Quadratmetern Wohnfläche zeigt die Studie: Im vollständig elektrifizierten und intelligent vernetzten Zukunftshaus sinkt der Endenergiebedarf gegenüber einem konventionellen Gebäude um bis zu 92 Prozent, die laufenden Energiekosten reduzieren sich um rund 2.360 Euro pro Jahr. „Die Studie zeigt eindrücklich, was technisch und wirtschaftlich möglich ist, wenn alle Geräte im Haus kommunizieren und zusammenarbeiten", sagt Torsten Hoffmann, Experte der Initiative Elektro+. „Für viele Hausbesitzer ist das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft." Die Initiative Elektro+ erklärt, wie das Zusammenspiel der Komponenten funktioniert.
PV-Anlage und Batteriespeicher: Solarstrom zeitversetzt nutzen
Eine Photovoltaikanlage erzeugt Strom direkt auf dem eigenen Dach. Da Erzeugung und Verbrauch häufig zeitlich auseinanderfallen, fließt ein Teil ins öffentliche Netz. Wer möglichst viel des selbst erzeugten Stroms direkt im Haus nutzt, kann seinen Strombezug aus dem Netz verringern. Ein Batteriespeicher macht das möglich: Er speichert überschüssigen Solarstrom und stellt ihn bei erhöhtem Bedarf zur Verfügung, am Abend oder an bewölkten Tagen. Die entscheidende Kennzahl dabei ist die Eigenverbrauchsquote, also der Anteil des selbst erzeugten Stroms, der auch tatsächlich im Haus genutzt wird. Laut Modellrechnung der Fraunhofer-ISI-Studie (im Auftrag des ZVEI) liegt sie für ein typisches Einfamilienhaus ohne intelligente Steuerung bei 36 Prozent. Mit Batteriespeicher, bidirektional ladendem Elektroauto und smartem Energiemanagementsystem kann sie im Best-Case-Szenario auf 68 Prozent steigen – ein Plus von 32 Prozentpunkten.
Wallbox: Das Elektroauto intelligent einbinden
Wer ein Elektroauto besitzt, kann es über eine Wallbox gezielt dann laden, wenn die Photovoltaikanlage besonders viel Strom erzeugt. Die Ladeleistung passt sich dabei automatisch an den verfügbaren PV-Überschuss an. „Das Elektroauto beeinflusst die Energiebilanz eines Hauses – wenn man es intelligent einbindet", sagt Hoffmann. „Dann ist es nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein aktiver Bestandteil des häuslichen Energiesystems." Perspektivisch gewinnt auch das bidirektionale Laden an Bedeutung: Erste Systeme ermöglichen bereits, dass Elektrofahrzeuge Strom bei Bedarf wieder ans Haus zurückgeben.
Energiemanagementsystem: Herzstück der Vernetzung
Auch Wärmepumpen lassen sich dann betreiben, wenn viel Solarstrom verfügbar ist oder der Strom gerade besonders günstig ist. Hierfür berücksichtigen moderne Systeme sogenannte dynamische Stromtarife, bei denen der Strompreis je nach Tageszeit schwankt. Ist Strom gerade günstig, steuert ein Energiemanagementsystem (EMS) große Verbraucher wie die Wärmepumpe oder die Wallbox ganz ohne Eingreifen der Bewohner. „Damit die Technik funktioniert, müssen gegebenenfalls Änderungen am Zählerschrank vorgenommen werden, etwa der Einbau eines Smart Meters, eines digitalen Stromzählers mit Datenkommunikation", erklärt Hoffmann.
Frühzeitig planen – langfristig Kosten sparen können
Für die richtige Dimensionierung des Zählerschranks empfiehlt die Initiative Elektro+ die 20-Prozent-Regel: Rund ein Fünftel der Montagereihen eines Zählerschranks sollte bewusst frei bleiben. Diese Reserve ist entscheidend, damit später etwas nachgerüstet werden kann, ohne Umbauten oder zweiten Schrank. Die Fraunhofer-ISI-Studie zeigt in ihrer Modellrechnung passend: Wer alle Technologien frühzeitig gemeinsam plant, kann über 20 Jahre Kosten sparen. Die Gesamtkosten über 20 Jahre (Barwert, Diskontierungsrate 3 Prozent) lagen bei frühzeitiger Integration bei rund 69.000 Euro, bei vorbereiteter Nachrüstung nach zehn Jahren bei rund 97.000 Euro und bei ungeplanter Nachrüstung bei rund 111.000 Euro. „Wer heute baut oder saniert, sollte unbedingt Leerrohre verlegen lassen – eines für die Energieversorgungsleitung, eines für die Datenleitung zur Steuerung", rät Hoffmann. „Viele unterschätzen, wie aufwendig und teuer nachträgliche Installationen werden, wenn diese Vorbereitung fehlt."
Für Planung und Installation empfiehlt sich die Beratung durch einen qualifizierten Elektrofachbetrieb. Unterstützung bietet die Initiative Elektro+ unter www.elektro-plus.com/fachbetriebssuche. Kostenlose Broschüren zu Photovoltaik, Energiemanagement und Elektromobilität stehen unter www.elektro-plus.com/downloads bereit.